
Wie unterschiedliche Erwartungen von Anwendern, Fachbereichen und IT die Qualität beeinflussen
Wenn über Softwarequalität gesprochen wird, denken viele zunächst an Tests. Automatisierte Testfälle, Teststrategien oder Qualitätssicherungsmaßnahmen gelten häufig als wichtigste Instrumente, um Fehler zu vermeiden und stabile Software bereitzustellen.
Doch viele Qualitätsprobleme entstehen lange bevor die erste Testumgebung eingerichtet oder die erste Codezeile geschrieben wird.
Der Grund: Es fehlt ein gemeinsames Verständnis darüber, was gute Softwarequalität überhaupt bedeutet.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur: „Wie testen wir unsere Software?“, sondern bereits vorher: „Welche Erwartungen soll unsere Software erfüllen?“. Denn erst auf dieser Grundlage lassen sich wirksame Teststrategien entwickeln.
Softwarequalität ist keine objektive Größe
Was als qualitativ hochwertige Software wahrgenommen wird, hängt stark von den Erwartungen der beteiligten Stakeholder ab.
Anwender*innen erwarten eine intuitive Bedienung und kurze Reaktionszeiten. Fachbereiche legen Wert auf funktionierende Prozesse. Die IT achtet auf Sicherheit, Stabilität und Wartbarkeit. Entwickler*innen benötigen eine Architektur, die Erweiterungen und Anpassungen ermöglicht.
Eine Anwendung kann alle spezifizierten Funktionen erfüllen und dennoch als mangelhaft wahrgenommen werden – etwa wenn sie langsam reagiert, schwer wartbar ist oder hohe Betriebskosten verursacht.
Softwarequalität entsteht deshalb nicht allein durch funktionierende Features. Sie entsteht durch die Erfüllung der Erwartungen aller relevanten Stakeholder.
Funktionale und nicht-funktionale Anforderungen
Funktionale Anforderungen
Funktionale Anforderungen beschreiben, was eine Software leisten soll. Dazu gehören beispielsweise die Anmeldung, die Verarbeitung von Daten oder die Abbildung von Geschäftsprozessen.
Sie definieren den fachlichen Nutzen einer Anwendung und bilden die Grundlage jeder Softwareentwicklung.
Nicht-funktionale Anforderungen
Nicht-funktionale Anforderungen beschreiben, wie gut eine Software ihre Aufgaben erfüllen muss.
Dazu gehören beispielsweise:
- Performance
- Sicherheit
- Wartbarkeit
- Skalierbarkeit
- Benutzerfreundlichkeit
Gerade diese Anforderungen entscheiden häufig darüber, ob eine Software langfristig erfolgreich eingesetzt werden kann.
Ein Beispiel: Ein Kundenportal bietet sämtliche benötigten Funktionen und erfüllt alle fachlichen Anforderungen. Wenn Seitenaufrufe jedoch mehrere Sekunden dauern oder das System unter Last instabil wird, werden Anwender*innen die Lösung trotzdem als qualitativ unzureichend bewerten.
Qualität beginnt vor dem ersten Test
Viele Unternehmen setzen Softwarequalität mit Fehlerfreiheit gleich. Tatsächlich beginnt Qualität jedoch bereits deutlich früher.
Tests sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Qualitätssicherung. Sie zeigen, ob eine Software die definierten Anforderungen erfüllt und schaffen Transparenz über ihren Qualitätsstand. Ihre Aussagekraft hängt jedoch entscheidend davon ab, wie klar die Anforderungen zuvor definiert wurden.
Nachhaltige Softwarequalität entsteht daher über den gesamten Entwicklungsprozess hinweg – von der Anforderungsanalyse über Architekturentscheidungen bis hin zur Implementierung.
Aus wirtschaftlicher Sicht ist das besonders relevant: Die größten Kosten entstehen häufig nicht durch einzelne Softwarefehler, sondern durch mangelnde Wartbarkeit, technische Schulden oder fehlende Skalierbarkeit. Softwarequalität ist deshalb nicht nur eine technische, sondern auch eine strategische Aufgabe.
Erst wenn Anforderungen eindeutig beschrieben sind, können geeignete Testfälle, Teststrategien und Testpläne entwickelt werden. Gute Anforderungen und systematisches Testing sind deshalb keine Gegensätze, sondern bauen aufeinander auf.
Fazit
Softwarequalität beginnt mit einem gemeinsamen Verständnis der Anforderungen. Erst darauf aufbauend können Tests und Qualitätssicherungsmaßnahmen ihre volle Wirkung entfalten.
Funktionale Anforderungen definieren, was eine Lösung leisten soll. Nicht-funktionale Anforderungen legen fest, wie gut sie diese Aufgaben erfüllen muss.
Erst wenn beide Perspektiven berücksichtigt werden, entsteht die Grundlage für nachhaltige Softwarequalität.
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