Die deutschen Versicherer arbeiten seit über 50 Jahren an der Digitalisierung ihrer internen Verarbeitungsprozesse. Das große Ziel war und ist: eine nahezu vollständige Dunkelverarbeitung, um Effizienz und Geschwindigkeit weiter zu steigern. Gleichzeitig wächst der Druck aus dem Markt: Kunden erwarten mehr Service, schnellere Reaktionszeiten und maximale Datentransparenz – nicht zuletzt durch den Einfluss großer internationaler Player.

Versicherungen bringen dafür eigentlich beste Voraussetzungen mit. Sie verfügen über jahrzehntelange Erfahrung in der Digitalisierung, enorme Datenbestände und fundierte Marktkenntnisse – teilweise über 200 Jahre hinweg. Auch finanziell sind viele gut aufgestellt und innovationsbereit. Deshalb wurden bestehende Systeme kontinuierlich erweitert, etwa durch Chatbots oder Self-Service-Portale.

Doch genau hier liegt das Problem: Durch dieses organische Wachstum stoßen viele Versicherer heute an Grenzen. Die Integration neuer Funktionen in bestehende Legacy-Systeme ist oft komplex, zeitaufwendig und teuer. Selbst scheinbar einfache Anpassungen – wie die Ergänzung einer zweiten E-Mail-Adresse – können enorme Aufwände verursachen, da Daten redundant angelegt und an vielen Stellen angepasst werden müssen.

Die Ursache liegt in der Struktur der Systeme: Über Jahrzehnte gewachsene Legacy-Systeme wurden selten grundlegend modernisiert, sondern lediglich erweitert. Das Ergebnis sind hochkomplexe, schwer wartbare Systemlandschaften, die den heutigen Anforderungen an Flexibilität, Geschwindigkeit und externe Zusammenarbeit nicht mehr gerecht werden.

Die Branche hat den Handlungsbedarf erkannt. Modernisierung und Ablösung von Altsystemen gehören heute zu den zentralen IT-Aufgaben der kommenden Jahre. Teilweise fließen bereits über 90 % der IT-Budgets in diese Transformation – ein klares Signal für ihre strategische Bedeutung.

Aus Monolithen werden moderne IT-Systeme

Die Transformation ist längst keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit. In vielen Unternehmen ist die Komplexität der bestehenden Systeme so hoch, dass sie kaum noch vollständig verstanden wird. Gleichzeitig geht wertvolles Wissen verloren, wenn erfahrene Entwickler*innen das Unternehmen verlassen.

Das birgt Risiken – nicht nur technisch, sondern auch regulatorisch. Anforderungen wie die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoB) oder Vorgaben der BaFin müssen weiterhin erfüllt werden.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Viele Versicherer sind heute nur in der Lage, wenige große Releases pro Jahr auszurollen. Die Ursache liegt in stark gekoppelten Systemen und Abhängigkeiten zwischen Schnittstellen. Einzelne Komponenten lassen sich nicht mehr unabhängig aktualisieren – Innovation wird ausgebremst.

Warum sich die Transformation lohnt

Die Modernisierung von Legacy-Systemen ist aufwendig, aber alternativlos. Die Vorteile sind klar:

  • Schnellere Time-to-Market durch höhere Anpassungsgeschwindigkeit
  • Geringere Wartungs- und Betriebskosten
  • Bessere Integrationsfähigkeit mit Partnern und Plattformen
  • Attraktivität für Fachkräfte durch moderne Technologien

Kurz gesagt: Wer nicht transformiert, verliert langfristig Marktanteile.

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