
Digitale Produkte und Services gewinnen in nahezu allen Branchen an Bedeutung. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Unternehmen, Innovationen schneller auf den Markt zu bringen, bestehende Prozesse zu optimieren und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.
Ein Digital Twin kann dabei helfen, genau diese Herausforderungen zu adressieren. Doch entgegen der weit verbreiteten Annahme handelt es sich dabei nicht lediglich um eine digitale Kopie eines physischen Objekts. Ein digitaler Zwilling schafft die Grundlage, Produkte, Maschinen oder ganze Prozesse digital abzubilden, zu analysieren und kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Was ist ein Digital Twin?
Ein Digital Twin (oder digitaler Zwilling) ist die digitale Repräsentation eines realen Objekts. Dabei kann es sich beispielsweise um ein Fahrzeug, eine Maschine, ein Werkstück oder einen Haushaltsgegenstand handeln. Je nach Anwendungsfall bildet der digitale Zwilling unterschiedliche Eigenschaften und Zustände seines realen Gegenstücks ab. Sein Umfang kann daher von einer einfachen Darstellung bis zu einer sehr detaillierten digitalen Abbildung reichen.
Der entscheidende Vorteil liegt darin, dass die Brücke zwischen der physischen und der digitalen Welt nur einmal geschlagen werden muss: zwischen dem realen Objekt und seinem digitalen Zwilling. Anschließend lassen sich zahlreiche Aufgaben vollständig in der digitalen Welt durchführen.
So können beispielsweise Simulationen auf dem digitalen Zwilling ausgeführt werden. Diese sind in der Regel deutlich einfacher, schneller und kostengünstiger als Tests am realen Objekt. Ebenso lässt sich der digitale Zwilling mit anderen digitalen Zwillingen oder IT-Systemen vernetzen und über das Internet miteinander kommunizieren – ebenfalls wesentlich einfacher als mit den physischen Objekten selbst.
Dadurch entsteht nicht nur eine digitale Kopie eines Produkts, sondern eine Grundlage für datenbasierte Entscheidungen und kontinuierliche Optimierungen.
Warum setzen Unternehmen auf digitale Zwillinge?
Unternehmen investieren in digitale Zwillinge, um ihre physischen Produkte durch digitale Mehrwertdienste zu ergänzen und Innovationen schneller umzusetzen.
Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, dass sich digitale Funktionen deutlich schneller entwickeln lassen als physische Produkte. Dadurch verkürzt sich die Time-to-Market erheblich. Gerade die Fähigkeit, flexibel und schnell auf neue Anforderungen zu reagieren, wird zunehmend zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
Doch nicht nur Produkte profitieren von diesem Ansatz. Auch Produktionsprozesse lassen sich in die digitale Welt übertragen.
Unternehmen können Produktionsabläufe simulieren, analysieren und optimieren, bevor Änderungen in der realen Fertigung umgesetzt werden. Dadurch lassen sich Prozesse effizienter gestalten, Kosten reduzieren und die Auslastung verbessern.
Gleichzeitig schaffen digitale Zwillinge eine gemeinsame Datenbasis, auf der unterschiedliche Fachbereiche fundiertere Entscheidungen treffen können.
Einsatzmöglichkeiten reichen weit über die Industrie hinaus
Digitale Zwillinge werden häufig mit Industrie 4.0 in Verbindung gebracht. Tatsächlich ist ihr Einsatzgebiet jedoch deutlich breiter.
Überall dort, wo Unternehmen Produkte digital erweitern, Produktionsprozesse optimieren oder neue digitale Services entwickeln möchten, kann ein Digital Twin Mehrwert schaffen. Er ist beispielsweise ein zentraler Baustein des Internet of Things (IoT) und kommt ebenso in Lösungen rund um Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) zum Einsatz.
Auch außerhalb der Industrie lassen sich digitale Zwillinge nutzen. Das Grundprinzip – reale Objekte oder Prozesse digital abzubilden und daraus Erkenntnisse abzuleiten – lässt sich ebenso auf andere Branchen und Geschäftsprozesse übertragen.
Der eigentliche Mehrwert entsteht nach der Digitalisierung
Die Entwicklung eines digitalen Zwillings ist kein Selbstzweck. Entscheidend ist vielmehr, welche Möglichkeiten dadurch entstehen.
Sobald ein Objekt oder Prozess digital verfügbar ist, lassen sich Simulationen durchführen, verschiedene Szenarien vergleichen oder digitale Services entwickeln, ohne ständig auf das reale System angewiesen zu sein. Gleichzeitig können digitale Zwillinge Informationen mit anderen Systemen austauschen und so neue Potenziale für Automatisierung und Optimierung erschließen.
Genau darin liegt der eigentliche Mehrwert: Unternehmen schaffen eine digitale Grundlage, auf der sich Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle kontinuierlich weiterentwickeln lassen.
Fazit
Ein Digital Twin ist weit mehr als eine virtuelle Kopie eines physischen Objekts. Er verbindet die reale und die digitale Welt und schafft die Grundlage für Simulationen, Analysen und digitale Services.
Unternehmen profitieren von kürzeren Entwicklungszeiten, höherer Flexibilität und neuen Möglichkeiten, Produkte und Prozesse kontinuierlich zu verbessern. Damit wird der digitale Zwilling zu einem wichtigen Baustein der digitalen Transformation – weit über klassische Industrie-4.0-Anwendungen hinaus.
