Susanne Aigner, Geschäftsführerin, Discovery GSA & BNLX

Zusammenwachsen – zweite [stei tu:nd] Konferenz

Gemeinsam etwas bewegen, sich zusammenschließen und neue Potenziale entfalten. Was Medienunternehmen mit einer Kultur erreichen, die auf Partnerschaft setzt und wie sie sich für 2022 wappnen, zeigte die zweite #steitundKonferenz am 18.11.2021 eindrucksvoll.

Richard Gutjahr

Beim Start der Konferenz begrüßten Peter Fellinger, CEO und Gründer der jambit GmbH, und Franz Haßlberger, Leiter der Business Division Media die gut 300 Teilnehmenden. Sie eröffneten die Konferenz mit Fragen zu gelungener Zusammenarbeit und setzten damit Kollaboration als inhaltliche Wegmarke. Dieses Thema zog sich anschließend wie ein roter Faden durch den ganzen Tag. Wie hat die Pandemie unser Arbeiten verändert? Wie gehen wir mit Learnings um und etablieren eine offene und positive Kultur für Führungskräfte und Mitarbeitende. Wie handhaben Softwaredienstleister aber auch Medienunternehmen die neuen Herausforderungen?

Mit einer Keynote griff Moderator Richard Gutjahr die Fragestellungen auf unternehmerischer Ebene auf und brachte sie in einen nationalen Kontext mit fünf Thesen zur Digitalisierung in Deutschland. So habe die Politik die Bedeutung der Digitalisierung unterschätzt. Das Homeoffice würde vor allem für einkommensstarke und gut ausgebildete Mitarbeitende an Bedeutung gewinnen. Domänen unterschiedlichster Art beeinflussen sich gegenseitig: Sichtbar auch in Entwicklungen von Automobilherstellern, die auf neue Medienerlebnisse setzen. Deutschland, das nach Japan zweitälteste Land der Erde, müsse in diesem entscheidenden Jahrzehnt Antworten finden.

Product & Content: Digitale Lagerfeuermomente

Den Kickoff im ersten Panel „Product & Content“ machte Tassilo Raesig vom Streaming-Anbieter Joyn. Er stellte die digitale Plattform vor und zeigte, wie sich Joyn als lokaler Streaming-Anbieter in einem globalen Umfeld mit internationaler Konkurrenz behauptet. Das Joint Venture von ProSiebenSat.1 und Discovery versucht, die Lücke zwischen YouTube und klassischem TV zu schließen, und setzt dabei auf junge Talente und mutige Ideen. „Wir wollen die Adresse für den besten Stoff sein“, so Raesig. Vor allem mit hochwertigem Content sollen die Zielgruppen überzeugt werden. Mit Joyn soll User*innen ein Mehrwert geboten werden, den sie mit klassischem digitalem Fernsehen nicht haben. Geschickt nutzt das der Streaming-Anbieter mit Steigerung der digitalen Reichweite vom Fernsehen auf das Smartphone.

Jobst Benthues & Julien Nissenbaum von Redseven Entertainment stellten innovative Unterhaltungsformate vor. Gefragt seien Produkte, die echtes Lagerfeuergefühl bieten. Etwa Roadshows mit neuen Interaktionsmöglichkeiten oder neue Wege, ein Konzert in das heimische Wohnzimmer zu bringen.

Carmen Heger, Süddeutsche Zeitung
Carmen Heger, Produktmanagerin, Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH über "Sprachtechnologien als Begleiter im Journalismus und in Medien"

„Wir wollen Menschen bewegen und unterhalten und auf gar keinen Fall ausschließen“, so Carmen Heger von Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH. Wie Sprachtechnologien Journalismus oder aber auch Inklusion unterstützen, zeigte sie in ihrem Vortrag. Natural Language Processing (NLP) hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen, vor allem seit tiefe neuronale Netze das automatische Erkennen und Generieren von Sprache stark verbessert haben. Dank Open Source und frei verfügbaren Modellen ist der Zugang zu diesen Technologien leichter und muss nicht immer eingekauft oder von Expert*innen entwickelt werden. Dabei arbeiten Datenjournalismus und Data Engineering bei der Süddeutschen Zeitung Hand in Hand. Menschliches Know-how braucht es dennoch weiterhin, auch wenn „Automated Journalism“ schon bei gut strukturierten Daten funktioniert. Diese findet man etwa im Kontext von Börsen-, Wetter- und Sportthemen. Prototypisch arbeitet ihr Team beispielsweise auch aktuell an Datenbanken, die ungenutztes Wissen auffindbar und für die redaktionelle Arbeit nutzbar machen sollen. Der Service ermöglicht es, Wissen statt über Kuratieren über an das System gestellte Fragen herauszufiltern.

Diskussion im Livechat und Video-on-Demand-Angebote

Engagiert diskutiert wurde neben der Bühne auch digital im Livechat, moderiert von jambitee Robert Kowalski. Das Publikum interessierte sich hier u. a. für die Frage, wie Journalismus und Daten-Engineering zusammenarbeiten. Carmen Heger betonte hier die Themen Coaching und Wissenstransfer. Hauptsächlich ginge es darum, die Fähigkeit zu gewinnen, die neuentwickelten Systeme zu evaluieren. Man müsse Journalisten-Kolleg*innen langsam heranführen und in diesem Bereich auch coachen. Neben den Livestreams konnten Gäste außerdem spannende Video-on-Demand-Vorträge wie etwa von Daphne Flieger von ZDF Digitale Medienproduktion GmbH erleben. Sie begeisterte Teilnehmende mit dem Vortrag "CM-back stronger – wie wir uns die Kommentarspalten zurückerobern".

Sales and Subscription: Gallische Dörfer treffen auf einfühlsame Römer

Janina Reimann, Handelsblatt
Janina Reimann, Handelsblatt GmbH im Gespräch mit Moderator Richard Gutjahr

Das zweite Panel „Sales and Subscription“ widmete sich der Veränderung von Erlösmodellen in Medienunternehmen. Janina Reimann und Vera Nysetvold von der Handelsblatt Media Group stellten die digitale Event-Strategie des Medienunternehmens vor. Von heute auf morgen hätte man in der Pandemie im Veranstaltungsgeschäft des renommierten Verlags umdenken müssen. Basierend auf umfassenden Umfragen entwickelten sie eine Strategie, Journalismus mit Veranstaltungen erlebbar zu machen. Dazu wurden innerhalb kürzester Zeit Inhouse-Expert*innen geschult und ein Live-Studio aufgebaut, um das digitale Eventgeschäft zu sichern. Mit großem Erfolg, der sich in der Registrierung für neue Verlagsprodukte niederschlägt und Potenziale für Kundenbindung und Neukundenakquise entfaltet.

Nico Wilfer, F.A.Z. und Madeleine Bublies, MHS Digital
Nico Wilfer, Chief Product Officer, Frankfurter Allgemeine Zeitung und Madeleine Bublies, Head of Product, MHS Digital

Madeleine Bublies, Head of Product bei MHS Digital digital, zeigte, wie wichtig ein wirksamer und gleichzeitig vorsichtiger Change-Prozess für ein diversifiziertes Medienhaus ist. Nicht nur organisatorisch, sondern auch softwarearchitektonisch: 15 Zeitungen sind Teil der komplexen IT-Architektur des Medienunternehmens. Bei der Neukundenakquise setzt Bublies auf interdisziplinäre Teams und Change-Management. Das Unternehmen bildet den Sales-Funnel nicht nur als Idee auf dem Papier, sondern auch organisatorisch ab. Wichtig sei bei der Zusammenarbeit zwischen Produktmanagement und Redaktion, dass man nicht „wie die Römer in Gallien einfallen dürfe“, sondern den Fachabteilungen eher eine helfende Hand reichen muss. Zwar lassen sich Mechanismen und Marketing-Strategien aus dem E-Commerce auf das Redaktionsgeschäft übertragen, letztendliche komme es aber auf den Inhalt an. So habe ein Thema Reichweiten- und Pay-Aspekte, die man miteinander abwiegen müsse. Nico Wilfer, Chief Product Officer Frankfurter Allgemeine Zeitung, zeigte in seinem Vortrag eindrucksvoll, wie die F.A.Z. Reichweite in Leads und Abos konvertiert und welche Rolle Technologie dabei spielt. So möchte die F.A.Z. ihre Leserschaft dort erreichen, wo sie unterwegs ist, und zwar digital. Seit einiger Zeit arbeiten in dem Medienunternehmen die Abteilungen Product und Sales am gemeinsamen Ziel, bis 2025 etwa 300.000 Digital-Abos zu erreichen.

Strategy & Change: Mehr Power durch Partnerschaft

Susanne Aigner, Geschäftsführerin, Discovery GSA & BNLX
Susanne Aigner, Geschäftsführerin, Discovery GSA & BNLX im Gespräch mit Richard Gutjahr

Susanne Aigner ist Geschäftsführerin von Discovery GSA & BNLX und sieht im Dialog mit Moderator Richard Gutjahr für große Medienkonzerne große Potenziale in der Konsolidierung. Unternehmen müssen Partner*innen finden, um ihre Alleinstellungsmerkmale vollständig zu entfalten. Lineares Fernsehen und neue digitale Produkte sollen zusammen gedacht werden. Christiane Mehling, Vice President Product RTL+, gab authentische Einblicke in die Teamkultur des Kölner Fernsehsenders. Für sie stünden Werte wie Commitment, Transparenz und gemeinsame Ziele im Fokus. Thomas Schultz-Homberg, CEO bei den Kölner Stadt-Anzeiger Medien forderte mehr Bewusstsein für Diversität und ein Umdenken von Opinion-Driven-Decisions hin zu Data-Driven-Decisions.

Cool head, warm heart, working hands: Medien-Expert*innen der Zukunft

Den Abschluss bildete das Kaffeekränzchen, bei dem die beiden Geschäftsführer und Gründer, Markus Hartinger und Peter Fellinger, den Teilnehmenden den charakteristischen jambit Kaffee servierten. Medienunternehmen, denen es jetzt in der Pandemie gut geht, hätten schon vor langer Zeit ihre Hausaufgaben gemacht, so Susanne Aigner: „Es funktioniert jetzt so gut, weil wir vorher Workflows und Prozesse aufgebaut haben, die auch remote gut funktionieren. Wir zehren jetzt von diesem Schatz“. Marion von Nell, VP Business & People Strategy bei Joyn, forderte, dass organisationsentwickelnde Abteilungen wie HR den „Elfenbeinturm“ verlassen und die Nähe zum operativen Geschäft suchen müssen. Kernkompetenzen von idealen Mitarbeitenden sind für sie: „Cool head, warm heart, working hands”. Susanne Aigner und Nico Wilfer betonten, dass Fähigkeiten wie allgemeine Cleverness, Servicegedanke, schnelle Auffassungsgabe und Kommunikation viel wichtiger seien als klassische Ausbildungs- oder Studienabschlüsse.

Zum Abschluss des Tages blicken die Teilnehmenden somit optimistisch in die Zukunft und zurück auf eine erfolgreiche zweite #steitundKonferenz, die im letzten Jahr ihre Premiere feierte.

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